Zur Geschichte der St. Sebastianus-Bruderschaft Korschenbroich von Dr. Hans-Ulrich Klose

(Entnommen aus der Festschrift zum 475-jährigen Bestehen, 1979)

Das Jahr 1504 brachte für das Dorf Korschenbroich ein bedeutendes Ereignis, der Bau des Kirchturms der Pfarrkirche St. Andreas wurde vollendet. Das wuchtige Bauwerk mit seinen klaren Formen, das die Jahrhunderte und auch den Luftangriff im 2. Weltkrieg überdauerte, wurde zum Wahrzeichen der alten Gemeinde Korschenbroich. Der Kirchturm, der nicht nur die zum Gottesdienst rufenden und vor Gefahr warnenden Glocken trug, sondern bei Krieg und Not eine Stätte der Zuflucht und Rettung bot, war von der Pfarrgemeinde unter großen Opfern errichtet worden. Am Tage seiner Weihe werden unter den Teilnehmern des Festes die Angehörigen der St. Sebastianus-Bruderschaft gewesen sein. Das Jahr, in dem der Kirchenturm von St. Andreas vollendet wurde: Dieses herausragende Ereignis in der Geschichte der Gemeinde gilt mangels anderer Zeugnisse als Gründungszeit für die St. Sebastianus-Bruderschaft Korschenbroich. So wurde im Jahre 1904 das 400jährige und im Jahre 1954 das 450jährige Bestehen der Bruderschaft, wie sich aus den noch vorhandenen Festschriften ergibt, gefeiert. Wenn in diesem Jahr die 475. Wiederkehr der Gründung der Bruderschaft begangen wird, so geschieht das mit derselben historischen Berechtigung, wenn auch nicht auszuschließen ist, dass sich bereits vor dem Jahr 1504 in Korschenbroich Männer versammelt haben, um eine Bruderschaft ins Leben zu rufen.

 

Das bruderschaftliche Zeugnis, ursprünglicher Bestandteil christlicher Verkündigung, hatte im ausgehenden Mittelalter neue Formen gemeinschaftlicher Frömmigkeit hervorgerufen. Es entstanden Bruderschaften. Schon vor dem Jahre 1400 hat in Korschenbroich die „Bruderschaft Unserer Lieben Frau“ bestanden, die sich besonders der Marienverehrung widmete, daneben aber auch die kirchliche Armenpflege besorgte. Die Idee der Bruderschaft, die im christlichen Gemeinschaftsleben spätmittelalterlicher Frömmigkeit wirksam war, war daher nicht fremd, als im 14. und 15. Jahrhundert die Schützengesellschaften und Schützenbruderschaften am Niederrhein entstanden. Ihr Zweck bestand freilich zunächst nicht darin, religiöse und karitative Aufgaben zu erfüllen, sondern Bürger und Bauern für den Dienst mit der Schusswaffe („Schützen sind Personen, die schießen“) zuzurüsten.

 

Die Verbände von Schützengesellschaften und -bruderschaften waren zunächst in Flandern im 13. Jahrhundert aufgetaucht. Bereits um 1300 bestanden in allen größeren Städten Flanderns Schützengesellschaften. Die flämischen Städte, die im Spätmittelalter durch Handel und Gewerbe eine hohe Blüte erreicht hatten und damit Schwerpunkte einer frühen westeuropäischen Stadtkultur geworden waren, wurden zum Wegbereiter des Schützenwesens, das sich im nordwesteuropäischen Raum rasch verbreitete. Dass gerade in Flandern das Schützenwesen seinen Ursprung hatte, erklärt sich aus dem politischen Schicksal dieses Landes. Flandern war im 13. und 14. Jahrhundert der Schauplatz zahlreicher Kriege und machtpolitischer Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und England. Zwischen diesen beiden Mächten musste sich die nach Freiheit und Unabhängigkeit strebende flämische Bevölkerung unter Führung der mächtig aufgeblühten Städte behaupten, die wehrfähigen Männer schlössen sich zu Schützengesellschaften oder -bruderschaften zusammen. Sie übernahmen die seit den Kreuzzügen bewährte neue Schusswaffentechnik des Bogens und der Armbrust. Die Ausbildung an den neuen Waffen erfolgte in den Schützengesellschaften. Allerdings hätten die militärischen Bedürfnisse allein kaum zum Entstehen der Schützengesellschaften geführt. Das Aufkommen einer sich in Zünften organisierenden Handwerkerschaft, das Entstehen eines selbstbewussten Bürgertums, das die Teilhabe an der politischen Herrschaft der Stadtregierung forderte und durchsetzte, eröffnete den Weg zu den neuen militärischen Verbänden. Theo Reintges stellt in seiner 1963 erschienenen Veröffentlichung über „Ursprung und Wesen der spätmittelalterlichen Schützengilden,, fest: „Überall wird mit dem Hervortreten der Zünfte gleichzeitig das Bestehen oder Entstehen einer Schützengesellschaft wahrnehmbar. Die Schützenbewegung verläuft also genau parallel mit der Zunftbewegung.

 

Bei der Gründung der St. Sebastianus-Bruderschaft Korschenbroich wird im Vordergrund der Schutz der Bevölkerung vor Raub und Plünderung durch umherstreifende Banden und Söldner, vor allem in Kriegszeiten, gestanden haben. Zwar waren die Bewohner von Korschenbroich durch die unwegsame Bruchlandschaft vor kriegerischen Übergriffen verhältnismäßig sicher, aber während der Belagerung der Stadt Neuss durch Karl den Kühnen von Burgund vom 29. Juli 1474 bis 5. Juni 1475 wurde auch Korschenbroich Opfer umherziehender burgundischer Söldner. Das Dorf und die Kirche wurden geplündert. Diese schmerzlichen Erfahrungen während des burgundischen Krieges, zugleich aber auch die erfolgreich abgewehrte Belagerung der Stadt Neuss, an der die Bürgerwehr besonderen Anteil hatte, haben dem Schützenwesen Aufschwung gegeben und das Entstehen der Bruderschaft in Korschenbroich vermutlich wesentlich beeinflusst. Auch die damaligen Herren von Millendonk dürften die sich mit der Entstehung einer Schützenbruderschaft erneuernde Wehrhaftigkeit der bürgerlichen Bevölkerung gefördert haben.

 

Es ist daher nicht erstaunlich, dass sich diese den politischen Interessen des städtischen Bürgertums und den militärischen Erfordernissen gleichermaßen gerecht werdende Idee des Schützenwesens rasch in Westeuropa, insbesondere im französisch- und deutschsprachigen Raum, durchsetzte. Nur wenige Schützengesellschaften können ihr Gründungsdatum nachweisen. Aber im Laufe des 15. Jahrhunderts schössen sie wie Pilze aus dem Boden. Aus unserer näheren Umgebung seien genannt: Herzogenrath 1250, Kempen 1304, Hemmerden 1349, Neuss 1400, Aldekerk 1407, Viersen 1412, Büttgen 1415, Düsseldorf 1420, Giesenkirchen 1421, Schiefbahn 1449, Anrath 1463.

 

Die Bruderschaft war von Anfang an in das kirchliche Leben einbezogen. Stärker als es sich die Menschen unserer Tage vorstellen können, war das tägliche Leben im späten Mittelalter von christlichen Überzeugungen und kirchlichen Einflüssen geprägt. Eine Gemeinschaft ohne Bezug zur Kirche war nicht denkbar. So erklärte die Bruderschaft in Korschenbroich nach dem Vorbild anderer Schützengesellschaften St. Sebastian zum Schutzheiligen. Von St. Sebastian berichtet die Legende, dass er Offizier der Leibwache des römischen Kaisers Diokletian war und auf dessen Befehl wegen seines christlichen Glaubens durch Bogenschützen hingerichtet werden sollte. Obgleich von vielen Pfeilen getroffen, überlebte Sebastian das Martyrium. Er starb erst später im Jahre 287 n. Chr., als er von römischen Soldaten mit Keulen erschlagen wurde. Die Gestalt dieses Heiligen bot sich als Schutzpatron für die Bruderschaft an, um so mehr, als er auch als Helfer gegen die Pest verehrt wurde. Diese Seuche, die bis zum Jahre 1800 immer wieder Europa heimsuchte, hat auch Korschenbroich wiederholt überzogen und die Menschen wegen der schrecklichen Auswirkungen der Krankheit in Todesangst versetzt.

 

Die anbrechende Neuzeit mit ihrer waffentechnischen Entwicklung und dem Entstehen großer Söldnerheere hat der militärischen Bedeutung der Schützenbruderschaften alsbald Grenzen gesetzt. Zwar wurden die Schießübungen beibehalten; eine wirksame Verteidigungskraft war jedoch von einer dörflichen Schützenbruderschaft nicht zu erwarten. Deshalb bestand auch in Kriegszeiten die originäre Aufgabe der Schützenbruderschaften nicht im Wachdienst, der Verteidigung oder Heeresdienst. Die Pflicht zur Wehrbereitschaft folgte aus der Treuepflicht zur Stadt oder zum Landesherrn. Durch ihre Schießübungen leisteten die Schützengesellschaften allerdings einen wichtigen, wenn auch nur mittelbaren Beitrag zur Wehrertüchtigung und damit zur Verteidigungskraft des Gemeinwesens.

Auch die früher vertretene Auffassung, die Schützenbruderschaften hätten in Friedenszeiten polizeiliche Aufgaben, die Bewachung de Feldmark, das Ergreifen von Verbrechern erfüllt ist durch die neuere Forschung widerlegt. Wem Schützen zur Verfolgung eines Verbrechens eingesetzt wurden, dann kamen sie nicht einer besonderen Schützenpflicht nach, sondern erfüllten ihre Pflicht als Bürger.
Trotz der eingeschränkten militärischen Bedeutung der Schützenbruderschaften wurden die Schießübungen sehr ernst genommen. Dies gilt auch für die Bruderschaft in Korschenbroich. Hier wurde der Vogel seit alters her am Sonntag vor Pfingsten geschossen. Jakob Bremer schreibt in seinem Buch „Die reichsunmittelbare Herrschaft Millendonk“: „Dem Könige und den Offizieren oblag die Pflicht, den Vogel aufzusetzen. Am Tage des Vogelschusses versammelten sich die Brüder gegen 12.30 Uhr im Dorfe um den alten König und die Fahne.
Dann marschierte man mit Gewehr, Pulver und Blei unter Trommeln und Pfeifen in geordnetem Zuge nach Schloss Millendonk, um die Erlaubnis zum Schuss zu erbitten. War diese erteilt, so gaben die Brüder eine dreimalige Salve zu Ehren des Landesherrn ab und erhielten als Gnadenerweis 11/2 Ahm Bier, die Offiziere ein Glas Wein. Nun zog man zur Schießrute. Dort verlas man die Bruderschaftsordnung und dann die Namen. Dabei musste jeder „die Trommel passieren“ und 4 Stb. als Trommelgeld für den künftigen König zahlen. Nun wurde beim Landesherrn oder dessen Stellvertreter „Bann und Fried“ nachgesucht und hierauf von einem Bruder laut ausgerufen. Dadurch erhielt die Veranstaltung den besonderen landesherrlichen Schutz. Wer sie störte, machte sich des Landfriedensbruches schuldig. Ein gemeinsames Gebet flehte nunmehr um Verhütung von Unglück. Werden Vogel abschoss, wurde Schützenkönig. Zur Krönung legte man ihm den silbernen Vogel an. Jetzt ging es (bis 1848) zur Kirche, wo der sakramentale Segen gegeben wurde (der Geistliche erhielt dafür ein Maß Wein), hierauf zum Weinhaus, wo der König den Brüdern 1 Ahm Bier, den Offizieren 6 Maß Wein spendete. In der Kirche fand ein Opfergang, im Weinhause eine Sammlung zur Förderung der Bruderschaft statt.“
An den Pfingsttagen wurde das Schützenfest gefeiert. Bremer berichtet: „Ihren größten Glanz entwickelten die Bruderschaften in den Pfingsttagen. Am vorangehenden Samstag setzte man den Königen und Chargierten „den Mai“. Montags beteiligten sich alle Mitglieder an der großen Gottestracht. Die beiden Könige mit Ministern gingen zu beiden Seiten des Traghimmels, die Brüder umgaben das Bild ihrer Schutzpatrone. Da die Prozession früher fast den ganzen Tag in Anspruch nahm, durften alle, die notwendige Arbeiten zu verrichten hatten, nach der ersten Station nach Hause gehen, mussten sich aber zum Einzug beim Nikolaushäuschen wieder einfinden. Seit 1768 versahen die Brüder aus Pesch, Neersbroich und Trietenbroich den Dienst bis zum Hagelkreuz, die aus Herrenshoff, Herzbroich, Raderbroich und Engbrück von dort bis zur Kirche. Die aus dem Dorfe waren Pfingsten frei, traten dafür zur Fronleichnamsprozessoin an. Zwanzig Mann aus jeder Abteilung umgaben das Allerheiligste und feuerten einmal bei jedem Segen. Als im 19. Jahrhundert die Prozessionswege bedeutend verkürzt wurden, machten alle Brüder die ganze Feier mit. Bis 1768 erhielten die Teilnehmer aus der Kirchenkasse eine Flasche Bier, danach spendete die Bruderschaft, neuerdings die beiden hiesigen Brauereien, bei einem Familienabend auf Fronleichnam den Mitgliedern Freibier. Nach der Pfingstmontagsprozession fand die Königsparade statt, wobei die Junggesellen der einzelnen Honschaften Sondergruppen in verschiedenen Trachten bildeten.“

 

Diese Schilderung Bremers lässt deutlich erkennen, dass der militärische Charakter der Schützenvereinigung zugunsten des bruderschaftlichen und gesellschaftlichen zurücktrat. Die vom Landesherrn, dem Erzbischof und Kurfürst von Mainz, gegebene Bruderschaftsordnung vom 20. Januar 1743, die am 26. Mai 1743 auf Schloß Millendonk verkündet wurde und die erste Bruderschaftsordnung vom 8. Mai 1644 ersetzte, regelte die religiösen Pflichten der Schützenbrüder. Sie stellte die Pflicht zur Teilnahme an Gottesdienst, Predigt und Opfergang am Patronatstag, am Reqiem und Totengeleit für einen verstorbenen Mitbruder fest. Der gemeinschaftliche Besuch der heiligen Messe am Patronatstage sollte den besonderen bruderschaftlichen Charakter hervorheben. Zugleich bestimmte die Bruderschaftsordnung von 1743, dass nur Männer mit ordentlichem Lebenswandel in die Bruderschaft aufgenommen werden durften.

 

Diese enge Verbindung der Bruderschaft mit dem kirchlichen Leben, ein Ausdruck, wie die Kirche der damaligen Zeit alle Lebensbereiche durchdrang, fand ihren Niederschlag auch in der Teilnahme der Bruderschaft an den Prozessionen, insbesondere der Fronleichnamsprozession. Die Pflicht, das Sanctissimum zu begleiten, entsprang weniger der Notwendigkeit, dieses vor Überfällen zu schützen, eine Aufgabe, die erst für die Zeit des 30jährigen Krieges in Betracht kam, als vielmehr der engen geistigen Zuordnung der Bruderschaft zur Kirche. Der katholische Charakter der Bruderschaft ist auch bis in unser Jahrhundert ein bestimmendes Merkmal der Gemeinschaft geblieben.

 

Die ebenfalls in der Bruderschaftsordnung von 1743 niedergelegten Regeln über den Vogelschuss und das Schützenfest vermitteln uns den Eindruck, dass die Bruderschaft eine herausragende Rolle in der dörflichen Gemeinschaft gespielt hat. Nachbarschaftliche Hilfe, gegenseitige Unterstützung der Schützenbrüder und Betreuung der Kranken waren bruderschaftliche Aufgaben. Bedenkt man, daß Hungersnöte, Seuchen und Krieg eine überwiegend arme Bevölkerung überzogen, die sich durch die Landwirtschaft meist kärglich ernährte, hatte die Bruderschaft viele Pflichten.
Schießübungen und Schützenfest, Früh- und Spätkirmes waren Gelegenheit zu geselliger Begegnung in einer Zeit, die im Vergleich zu unserem an Information und Ereignissen überfrachteten Jahrhundert wenig Abwechslung bot. Wir können daher feststellen, dass die St. Sebastianus-Bruderschaft in Korschenbroich Jahrhunderte lang das kulturelle und soziale Leben im Dorfe entscheidend bestimmt hat. Das Leben in der Bruderschaft war am Ende des 17. Jahrhunderts so rege und die Zahl ihrer Mitglieder so angewachsen, dass sich die Junggesellen um 1700 trennten und die St. Katharinen-Bruderschaft gründeten.

 

Kulturelle und soziale Bedeutung der Bruderschaft gaben ihr auch in einer noch ständisch geordneten Gesellschaft, in der die politische Herrschaft vom Landesherrn ausgeübt wurde, einen bestimmten politischen Einfluss. Von seinem Ursprung her hatte, wie bereits erwähnt, das Schützenwesen eine bürgerschaftliche bzw. demokratische Komponente; denn es verdankte seinen Auftrieb der Forderung des Bürgertums der flämischen Städte, nach Teilhabe an der politischen Macht. Ein derartig bürgerschaftlich demokratischer Grundzug findet sich auch in der St. Sebastianus-Bruderschaft wieder, selbst wenn er sich nur selten gegenüber dem absolutistisch regierenden Landesherrn durchzusetzen vermochte. Die Ämter der Bruderschaft, Hauptmann und Fähnrich, wurden durch freie Wahl der Mitglieder besetzt. Als Graf Philipp von Croy im Jahre 1644 der St. Sebastianus-Bruderschaft die erste Ordnung gab und dabei dem Landesherrn die Besetzung der Bruderschaftsämter vorbehielt, stieß dies auf den Widerstand der Bruderschaft. Dieser setzte sich fort, als die Grafen von Berlepsch im Jahre 1699 die Herrschaft zu Millendonk antraten. Zwar gelang es der Gräfin Berlepsch, den Versuch des Pastors Adam Kraus am Sebastianustag 1714, die alten Rechte der Bruderschaft wieder herzustellen, noch einmal abzuwehren, aber nach ihrem Tode im Jahre 1723 konnte die Bruderschaft ihre alten Rechte und Freiheiten zurückgewinnen. Auch als im Jahre 1743 die zweite Bruderschaftsordnung vom Landesherrn in Kraft gesetzt wurde, gab es Proteste der Brüder, die erneut die Selbstständigkeit der Bruderschaft bedroht sahen. Viele Brüder verließen die Bruderschaft, sie fanden sich nicht damit ab, dass die Rechte ihrer Gemeinschaft beschnitten wurden.

 

Bemerkenswert ist, dass der Zusammentritt des ersten deutschen Parlaments der Frankfurter Paulskirchen-Versammlung im Jahre 1848 die Bruderschaft veranlasst hat, sich am 26. Dezember 1848 eine neue Ordnung zu geben. In der Niederschrift über die Sitzung ist festgehalten:
„Nachdem in diesem der Geschichte so merkwürdigen Jahr 1848 die sämtlichen Staaten Deutschlands zu neueren Grundlagen sich aufbauen und zu diesem Um- und Aufbau alle seine Bürger durch Absendung bestimmter Vertreter aus ihrer Mitte berufen, kam man daher zu Corschenbroich auch auf den Gedanken, die hier selbst seit langen Zeiten bestandene, vom damaligen Churfürsten zu Mainz als Vormund des Grafen von Ostein, damaliger Herr der Herrschaft Millendonk, renovierten Schützengesellschaft, deren Statuten für den jetzigen Zeitgeist meistenteils nicht mehr anpassend sind, von neuem zu organisieren. Zu dieser Erneuerung sind demnach aus hiesiger Pfarre und Gemeinde die unterschriebenen 19 Mitglieder als Vertrauungsmänner frei gewählt worden, welche nachstehende Statuten entworfen, der gesamten Gesellschaft zur Beratung vorgelegt, und nach einstimmigem Beschluss von jedem Mitgliede als bindend angenommen worden.“

 

Dieses demokratische Element fand seine Ergänzung darin, dass alle Brüder ohne Unterschied des Standes in der Bruderschaft den gleichen Rang hatten. Dies kam in der Vergabe der Königswürde zum Ausdruck. Der König wurde durch ein wettkampfartiges Schießen ermittelt. Leistung und Glück bestimmten den Erfolg. Aber am Wettschießen durfte sich jeder beteiligen, ob Landesherr, Bauer oder Kaufmann. Dem Grafen von Croy, der 1644 König der Bruderschaft wurde, folgte wieder ein Bewerber aus niederem Stande. Die Gleichheit der Brüder veränderte die politische und soziale Wirklichkeit in der Herrschaft Millendonk nicht. Sie musste aber in einer hierarchisch gegliederten Gesellschaft wie ein menschlicher Freiraum wirken.  Es spricht für die innere Stabilität der Bruderschaft, dass sie in wechselvollen politischen Verhältnissen die Tradition der brüderlichen auf der Grundlage des katholischen Glaubens beruhenden Gemeinschaft bewahrt hat.
Sichtbares Zeichen der ungebrochenen Tradition ist das Schützensilber. Zu den Rechten des Königs gehörte es, eine silberne Kette, die Königskette, zu tragen. Diese war ursprünglich den Ehrenketten der Bürgermeister und Zunftherren nachgebildet. Seit dem 16. Jahrhundert entwickelte sich die Sitte, dem jeweiligen Schützenkönig eine Kette zu verleihen. Seit dem 17. Jahrhundert war der König verpflichtet, einen Königsschild der Kette anzufügen. Dieser Brauch wurde auch in Korschenbroich geübt. Leider sind die Königsschilde aus dem 16. Jahrhundert nicht mehr erhalten. Das Silber wurde in Notzeiten oft verkauft, zu größeren Schilden zusammengeschmolzen, oder der Kirche gestiftet. In Korschenbroich ist allerdings überliefert, dass im Jahre 1746 das Silber der St. Sebastianus-Bruderschaft 3 Pfund 201/2 Lot wog. Es wurde teilweise verkauft und der Erlös mit einem Sparbetrag der Bruderschaft als Darlehen vergeben. Mehrere wertvolle Stücke aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zeigen, dass das Königssilber auch in Korschenbroich als Symbol einer beständigen Bruderschaft anzusehen ist.

 

Während der Besetzung der linksrheinischen Gebiete durch die französischen Truppen im Jahre 1794 – Millendonk wurde am 3. Oktober 1794 eingenommen – das politische und gesellschaftliche Leben dieses Raumes tiefgreifend veränderte, wurde die Existenz der Bruderschaft kaum beeinträchtigt, da sie als kirchliche Bruderschaft vom französischen Aufhebungsgebot nicht betroffen war. Nachdem das Rheinland 1815 preußisch geworden war, wurden die Schützenbruderschaften zunächst von der preußischen Regierung mit Wohlwollen behandelt. Das Interesse an der Wehrbereitschaft war offensichtlich groß. Später wich diese Haltung einer skeptischen Beurteilung durch den preußischen Staat. Die Kritik der preußischen Verwaltung richtete sich gegen die Schützenfeste, die nach Meinung der Behörden zu ausgiebig gefeiert wurden. Rheinische Eigenart blieb den häufig nicht aus dem Rheinland stammenden preußischen Beamten fremd. So wurde verkannt, dass das Schützenwesen nicht nur Pflege rheinischen Brauchtums war, was allein schon ein größeres Verständnis hätte bewirken müssen, sondern daß dieses auch eine beachtliche soziale und kulturelle Bedeutung besaß.

 

Das Jahr 1904 brachte das 400jährige Bestehen der St. Sebastianus-Bruderschaft. Die Gemeinde Korschenbroich stand am Anfang ihrer industriellen Entwicklung. Ein Blick in das Festprogramm der Bruderschaft weckt das Empfinden, dass dieses Jubiläumsfest zugleich auch ein Abschluss in der mehrhundertjährigen Entwicklung der Bruderschaft geworden ist. Die Gestaltung des Festbuches strahlt solide Bürgerlichkeit aus. Die Anzeigen lassen erkennen, dass in der Gemeinde bescheidener Wohlstand eingezogen war. Mehr als 30 Jahre nach dem Sieg im deutsch-französischen Krieg 1870/71 sind vergangen. Eine lange Friedenszeit war gefolgt und die Zeit des Kulturkampfes scheint überwunden. Vaterländischer Stolz wird sichtbar und das gleichzeitige Bekenntnis zu Papst und Kaiser sind kein Widerspruch mehr, wenn es in einem im Festbuch abgedruckten Lied heißt: „So lang ein Tropfen Blut noch glüht und noch ein Deutscher singet ein Lied, stehen wir zu Kaiser, Papst und Reich fest wie im stürm die deutsche Eich‘ und jeder singet, ob Kind, ob Greis, Kaiser und Papst ein Lied zum Preis!“
Zehn Jahre später taumelte Europa in den 1. Weltkrieg, an dessen Ende sich die politische Welt entscheidend verändert hatte. Die St. Sebastianus-Bruderschaft war von Anfang an vom Kriegsgeschehen berührt. Das im Jahre 1912 vom Präsidenten Otto Bolten gestiftete Protokollbuch weist aus, daß die Bruderschaft nicht nur wie damals als allgemeine Verpflichtung verstanden, sich an der Zeichnung von Kriegsanleihen beteiligte, sondern ihre zum Wehrdienst einberufenen Brüder in die Kriegsversicherung der Rheinprovinz einschreiben ließ. Ein zeitgemäßes Zeichen bruderschaftlicher Solidarität.

 

Das Schützenfest wurde während des Krieges nicht gefeiert. Die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Kriege und die im Zusammenhang mit der Novemberrevolution 1918 eingetretenen inneren Unruhen sowie die bürgerkriegsähnlichen Zustände im rheinisch-westfälischen Industriegebiet im Jahre 1919 erlaubten es erst 1920 wieder, „Unges Pengste“ zu feiern. Noch in der Sitzung des Vorstandes der Bruderschaft vom 31. März 1920 war dies unsicher.  Es heißt im Protokoll: „Da die Mönchengladbacher Bruderschaften die Abhaltung von Prunkfeierlichkeiten in diesem Jahr beabsichtigen, war auch für Korschenbroich für Ostermontag eine Versammlung zur Besprechung der möglicherweise abzuhaltenden Pfingstfeierlichkeiten angesetzt. In der Zwischenzeit waren aber in Berlin reaktionäre Unruhen ausgebrochen. Der Generalstreik wurde verkündet. Im Anschluss hieran wurde im rheinisch-westfälischen Industriegebiet von Kommunisten und Spartakisten ein Aufruhr ins Werk gesetzt, der schließlich in einen regelrechten Krieg mit allen modernen Kampfmitteln zwischen roten Truppen und Regierungstruppen ausartete. Das von letzteren besetzte Wesel wird belagert, die ganze Gegend von roten Banden ausgeplündert.
Da außerdem die Beschaffung der notwendigsten Lebensmittel immer schwieriger wird, stellt der Präsident die Frage, ob es unter den vorliegenden politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen überhaupt zweckmäßig sei, die geplante Versammlung abzuhalten, zumal man auch sicher unter den neu eingetretenen Umständen mit Schwierigkeiten von selten der Besatzung rechnen müsse. Nach eingehender Besprechung wird einstimmig beschlössen, die geplante Versammlung vorläufig nicht abzuhalten und eine diesbezügliche Bekanntmachung zu erlassen.“
Nachdem die belgische Besatzungsbehörde – seit Dezember 1918 unterstand Korschenbroich der belgischen Besatzungsmacht – das Schützenfest erlaubt hatte, konnte 1920 erstmals nach dem Kriege das Pfingstfest in der traditionellen Weise gefeiert werden. Allerdings hatte die Besatzungsbehörde den Vogelschuss verboten, so dass die Königswürde ausgesteigert werden musste.

 

Die Ende 1922 einsetzende galoppierende Inflation mit ihrer rasch fortschreitenden Geldentwertung stellte die Bruderschaft vor erhebliche Probleme. Im Protokoll der Generalversammlung vom 20. Januar 1924 lesen wir, dass die Einnahmen im Jahr 1923 2.243.925,– Mark und die Ausgaben 1.452.104,- Mark betrugen, so dass ein Kassenbestand von 791.821,- Mark vorhanden war. Die Abrechnung für das Jahr 1924, also nach der Währungsreform vom 1. Dezember 1923, wies einen Kassenbestand von 223,10 Rentenmark aus.
Die Protokolle der Bruderschaftsversammlungen jener Jahre vermitteln uns eine Vorstellung davon, in welchem erheblichen Umfange politische Umstände das Wirken der Bruderschaft beeinflussten. Immer wieder gab es Auseinandersetzungen mit der belgischen Besatzungsmacht, die ein marschmäßiges Aufziehen, insbesondere die Parade, streng verboten hatte. So ist es verständlich, dass überall Befreiungsfeiern stattfanden, als am 1. Februar 1926 die belgischen Besatzungstruppen das Rheinland verließen. Die alten Bräuche wurden wiederhergestellt. Die St. Sebastianus-Bruderschaft feierte bereits seit dem Jahre 1924 das Pfingstfest in der vor dem I. Weltkrieg geltenden Form. Vielleicht war man in Korschenbroich geschickter im Umgang mit der Besatzungsmacht.

 

Mitte der zwanziger Jahre setzten Bemühungen ein, den Bruderschaften eine mehr geistlich katholische Prägung zu geben. Am 1. Juli 1928 wurde in Köln der Zusammenschluss aller Bruderschaften zur Erzbruderschaft vom heiligen Sebastian vollzogen. Die Satzung der Erzbruderschaft nannte als Zweck, die geistige Wehrhaftigkeit zu stärken durch die Pflege des religiösen Lebens, insbesondere die Verehrung des Altarsakramentes, die Pflege der brüderlichen Nächstenliebe, die „Bildung eines gesunden Volkstums im Geiste christlicher Sitte“ und die „staatsbürgerliche Erziehung aufgrund der katholischen Weltanschauung“.
Die Ende der zwanziger Jahre einsetzende Schwäche der Staats- und Wirtschaftsordnung der Weimarer Republik, die sich auch auf die Stellung der großen gesellschaftlichen Institutionen wie die Kirchen auswirkte, hat jedoch diesen Bestrebungen von vornherein enge Grenzen gesetzt.
Für das Leben der St. Sebastianus-Bruderschaft bedeutete der Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft im Jahre 1933 einen tiefgreifenden Einschnitt, dessen Schärfe sich freilich erst im Laufe der Jahre abzeichnete. Der Staat und die nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) nahmen aufgrund ihres totalitären Machtanspruches eine uneingeschränkte Hoheit über die Kirchen in Anspruch und griffen in alle kirchlichen Lebensäußerungen ein. Der einsetzende Kirchenkampf erstreckte sich daher auch auf die kirchlichen Bruderschaften. Die Nationalsozialisten drängten auf eine Trennung der Schützengesellschaften von den Bruderschaften, die auf den ausschließlich kirchlichen Bereich beschränkt werden sollten. Noch am 17. Mai 1935 war von der geheimen Staatspolizei (Gestapo) in einem Schnellbrief angeordnet worden, dass bis zum Erlass weiterer Anweisungen nicht einzuschreiten sei gegen Veranstaltungen jeglicher Art von „Gruppen der Erzbruderschaft vom heiligen Sebastianus, von den Sebastianus-Bruderschaften, von Schützengilden und ähnlichen Organisationen.“ Doch bereits im Jahre 1936 hob die Gestapo diese Verfügung wieder auf. Schützenfeste als weltliche Feste und „Abendveranstaltungen mit künstlerischem oder humoristischem Einschlag“ waren damit verboten, es sei denn, der Charakter einer geschlossenen ausschließlich kirchlich-konfessionellen Zusammenkunft würde aufrechterhalten.
Wallfahrten, Prozessionen und Veranstaltungen in der Kirche durften zwar in Bruderschaftsuniform durchgeführt werden, doch war ein geschlossener An- und Abmarsch nicht gestattet. Auch bei Beerdigungen durfte keine Uniform getragen werden, nicht einmal die Fahne durfte mitgeführt werden. Jedes äußere Zeichen, das zu einem einheitlichen Gesamteindruck hätte führen können, war bei derartigen Anlässen verboten.

 

Damit wurde die Bruderschaft, wie der langjährige Präsident Peter Knepperges in der Festschrift zum 450jährigen Bestehen der Bruderschaft 1954 schrieb, das öffentliche Auftreten unmöglich gemacht. Die St. Sebastianus-Bruderschaft nahm daher auch an der letzten Pfingstparade vor dem 2. Weltkrieg im Jahre 1939 nicht mehr teil. Sie wiedersetzte sich dem Versuch, sie in eine weltliche Schützengesellschaft umzuformen und leistete einen in einem totalitären Staat beachtenswerten Widerstand. Es spricht für die Standhaftigkeit der Bruderschaft, dass sie sich in einer Zeit der Verfolgung und Unterdrückung durch eine unmenschliche Diktatur, deren Ausmaß sich die Nachkriegsgenerationen kaum vorstellen können, nicht dem Anspruch der Machthaber gebeugt hat.

 

Der 2. Weltkrieg mit seinen Luftangriffen hat auch die Gemeinde Korschenbroich bitter in Mitleidenschaft gezogen. In der Nacht vom 22. auf den 23. August 1943 wurden das Schiff der Pfarrkirche und mehrere Häuser zerstört. In sechs schweren Kriegsjahren hatten viele Familien Opfer zu beklagen. Nach der Besetzung der Gemeinde durch amerikanische Truppen am 1. März 1945 waren die Kampfhandlungen zwar beendet, aber die wirtschaftliche Not hielt noch jahrelang an. Nur die Älteren in unserer Gemeinde haben noch eine Erinnerung daran, wie schwierig es war, die Bevölkerung mit dem Geringsten an Kleidung, Nahrungsmitteln und Wohnraum zu versorgen. Schließlich mussten in Korschenbroich nicht nur die einheimischen Bürger, sondern auch die Vertriebenen und Flüchtlinge, die aus Ostdeutschland gekommen waren, versorgt werden. Aber der Wille zum Überleben setzte auch die Kräfte zum Wiederaufbau frei.

Noch in der Zeit der schlimmsten Not, am 20. Januar 1947, wurde die St. Sebastianus-Bruderschaft wieder ins Leben gerufen. Zwei Jahre später, 1949, als sich die Lebensverhältnisse wieder etwas gebessert hatten, wurde „Unges Pengste“ wieder nach altem Brauch gefeiert. Als 1954 die Bruderschaft ihr 450jähriges Bestehen beging, war das Korschenbroicher Heimatfest wieder ein weithin beachtetes Ereignis. Seither hat das traditionelle Pfingstgeschehen in Korschenbroich an Bedeutung und Beliebtheit gewonnen.  Freilich haben sich die Lebensverhältnisse in den mehr als drei Jahrzehnten, die seit dem 2. Weltkrieg vergangen sind, wesentlich geändert.

Das alte Korschenbroich ist 1975 durch die Kommunale Neugliederung in der größeren Gemeinde aufgegangen. Aber bereits vorher hatte sich das Bild der Gemeinde gewandelt. Die mit der Industrialisierung eingetretene wirtschaftliche Entwicklung und der Zuzug vieler neuer Bürger hat dem ehemals landwirtschaftlich und kleinindustriell geprägten Dorf den Charakter eines modernen, politisch und sozial ausgewogenen Gemeinwesens gegeben.
Für die St. Sebastianus-Bruderschaft, die in diesem Jahr ihres 475jährigen Bestehens an die Ursprünge zurückdenkt und sich auf die geistigen Kräfte ihrer mehrhundertjährigen Existenz besinnt, bedeutet dies, dass sie sich auch in der Welt des ausgehenden 20. Jahrhunderts zu bewähren hat. Der in der neuen Satzung der Bruderschaft vom 22. Januar 1978 niedergelegte Wahlspruch „Für Glaube, Sitte und Heimat“ stellt nicht nur eine schöne Erinnerung dar, sondern enthält Werte, die gerade in unserer Zeit, die sich im Vergleich zur Vergangenheit durch ein ungewöhnlich hohes Maß an Wohlstand auszeichnet, ständig neu mit Leben erfüllt werden müssen. Die Bruderschaft hat in ihrer neuen Ordnung sich erneut zur ihrer Aufgabe bekannt, „auf den Grundlagen des christlichen Glaubens das religiöse Leben zu fördern und zu vertiefen und für christliche Sitte und Kultur im privaten und öffentlichen Leben einzutreten. Sie ist bestrebt, Heimatliebe und Heimatsinn durch Pflege der geschichtlichen Überlieferung und des althergebrachten Brauchtums zu erhalten und zu verstärken.“ Sie verpflichtet ihre Mitglieder, sich an der Männerseelsorge zu beteiligen und karitative Aufgaben zu erfüllen. Die Bruderschaft ist, ohne die katholisch-geistige Tradition aufzugeben, aus der Enge konfessioneller Grenzen aufgebrochen und hat sich im ökumenischen Verständnis für alle Christen geöffnet. Sie hat sich damit Ziele gesetzt, die ihrem Wirken einen zukunftsweisenden Sinn geben.

Eine Bruderschaft lebt von dem Geist, der in ihr wirkt, von den Menschen, die ihr dienen. Es fällt auf, dass früher wie heute Menschen in der St. Sebastianus-Bruderschaft wirken, die ihr Amt jahrzehntelang ernst genommen haben, sei es als Präsident, im Vorstand oder im Regiment, wie der unvergessene Schützenoberst Friedrich Kreutzer. Andere haben mit den ihnen verliehenen Gaben die Bruderschaft gefördert, wie der Arzt Dr. Alois von der Stein, der 1952 das Korschenbroicher Volks- und Heimatlied geschaffen hat und bescheiden als Verfasser nicht einmal erwähnt sein wollte. Auch im Jubiläumsjahr haben viele Schützenbrüder ihren Auftrag in der Bruderschaft ernst genommen. Beim 475. Geburtstag der St. Sebastianus-Bruderschaft wissen wir, daß nicht allein die Tradition, sondern der vor allem christlichem Verständnis entspringende Geist brüderlicher Verantwortung und Dienstbereitschaft diese Gemeinschaft lebendig hält.

 

Literaturhinweise:

  • Aust, Marie-Sophie/Herbrandt, Johannes: Die St. Sebastianus-Bruderschaft Osterath und das Schützenwesen, 1976Blum, Helene;
  • 500 Jahre Rheinisches Schützenwesen, Neuss 1974Bremer, Jakob;
  • Die reichsunmittelbare Herrschaft Millendonk, Mönchengladbach 1939, Faksimiledruck der Ausgabe von 1939, Mönchengladbach 1974 Ewald, Wilhelm;
  • Die Rheinischen Schützengesellschaften, Zeitschrift des großrheinischen Vereins für Denkmalspflege und Heimatschutz, Jg. 26, Düsseldorf 1933Kirchhoff, Hans Georg;
  • Amt Korschenbroich, Geschichte der Gemeinden Korschenbroich und Pesch, Mönchengladbach 1974Köhnen, Hubert; Kleinenbroich, Ein Heimatbuch,
  • Kevelaer 1974Otto, Julius;
  • Geschichte einer Dorfgemeinschaft in schwerer Zeit 1933 bis 1946, Korschenbroich 1946 Reintges, Theo;
  • Ursprung und Wesen der spätmittelalterlichen Schützengilden, Rheinisches Archiv, Veröffentlichungen des Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande an der Universität Bonn, Bd. 58, Bonn 1963Stenmans, Peter/Lange, Joseph/Bömmels, Nicolaus/Kreiner, Karl/Gillian, Helmut;
  • Neuss im Wandel der Zeiten, 2. Auflage, Neuss 1970, Fest-Programm zum 400jährigen Stiftungsfeste der St. Sebastianus-Bruderschaft Corschenbroich,
  • Corschenbroich 1904 Festschrift zur 450-Jahrfeier der St. Sebastianus-Bruderschaft Korschenbroich,
  • Korschenbroich 1954